17 März 2014

Change Facilitation

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Thomas Engelhardt

Change Facilitation - eine neue Haltung für die Gestaltung von Veränderungsprozessen

In letzter Zeit ist immer häufiger die Rede von Change Facilitation in Ergänzung, vielleicht sogar als Gegensatz zum klassischen Change Management. In diesem Blogeintrag möchten wir Ihnen die Grundzüge dieser neuen Art und Weise, Veränderungsprozess zu begleiten, etwas genauer vorstellen.

Change Facilitation setzt auf die Beteiligung aller.

Im Kern geht es darum, Organisationen so zu begleiten, dass Beteiligung auf allen Ebenen ermöglicht wird und alle Betroffenen an dem Veränderungsprozess aktiv teilhaben. Change Facilitation bedeutet, von Anfang an Raum zu schaffen, damit verschiedene Perspektiven und Positionen deutlich werden können und echtes Commitment bei der Umsetzung gemeinsam entwickelter Lösungen entsteht.

Neben den Fakten werden auch Emotionen als wichtige Informationen betrachtet.

Doch das ist noch nicht alles. Zu der Maxime von Beteiligung kommt die Idee der so genannten „vertieften Wahrnehmung“. Menschen sollen sich nicht nur irgendwie beteiligen, sondern auf eine bestimmte – ganzheitliche – Art und Weise. Im Rahmen eines Veränderungsprozesses dürfen auch emotionale Themen und intuitive Einfälle Platz finden. 
Die Aufmerksamkeit der Beteiligten wird auf die latent wirksamen Dynamiken erweitert. Emotionen und Konflikte werden nicht als ein zu überwindenden Hindernis, sondern als wesentliche Informationsquelle für wirklich gut Lösungen angesehen.

Change Facilitation – anders als das klassische Change Management.

Change Facilitation wendet sich damit ab von der Idee, man könnte Menschen für Veränderungen mobilisieren und überzeugen. Und es setzt einen mutigen Kontrapunkt zu den Change Architekturen, die top-down entwickelt einseitig vorgeben, welche Ziele erreicht werden müssen und wie der Change Prozess zu verlaufen hat. Ein Change Facilitator fragt sich nicht: Wie kann ich das Veränderungsvorhaben gut kommunizieren und die Menschen dazubringen, die Veränderung gut umzusetzen?
Er fragt sich: Welche Potenziale sind in der Organisation vorhanden, um die anstehende Aufgabe im gemeinschaftlichen Sinne zu bewältigen? Wie kann ein zukunftsfähiges Konzept entstehen, das Menschen zum Handeln bringt und konsequent von den Betroffenen umgesetzt wird?

Change Facilitation – wie kann das gehen? 

Doch wie genau funktioniert diese andere Form der Veränderungsbegleitung, die in den USA entstanden ist und sich in den letzten Jahren auch in Europa zunehmend verbreitet? Darauf gibt die School of Facilitating in ihrem Buch „Facilitating Change“ eine klare wie simple Antwort: Damit Change Facilitaton gelingen kann, braucht es zwei Dinge: Eine entsprechende Haltung. Und ein entsprechendes Handeln.

Die Haltung des Change Facilitators

Zunächst – so die Autoren – ist es wichtig, die beiden eingangs beschriebenen Unterschiede zum klassischen Change Management auch wirklich zu verkörpern: Ein Change Facilitator setzt sich zum Ziel, das vorhandene Potenzial zu aktivieren und wirkliche Beteiligung – auch auf der emotionalen Ebene zu ermöglichen. Er weiß, dass es in einer komplexen Welt nicht mehr das eindeutige Richtig und Falsch gibt, dass Veränderungsprozesse nicht linear verlaufen. Und dass es eher eine Steuerung der Rahmenbedingungen als die Vorgabe eines Masterplans braucht. Nur wer diese Dinge wirklich verstanden hat und ausstrahlt, kann als Change Facilitator wirksam werden.

Das Handeln des Change Facilitators

Darüber hinaus muss er den so genannten „Bewegungsraum“ eines Change-Prozesses - so nennt es die School of Facilitating - mit seinen drei Dimensionen kennen und professionell umsetzen. Die drei Dimensionen sind:

  • das Design, also die Erstellung eines grundlegenden Fahrplans für den Change-Prozess - basierend auf dem von Otto Scharmer entwickelten Ansatz der Theorie U;
  • der Prozess, also die Steuerung der Diskussions- und Entscheidungsprozesse in Gruppen;
  • das Energie-Level, also der Fokus auf das Maß an Beteiligung, Commitment und (Umsetzungs-)Aktivität, das für ein erfolgreiches Veränderungsprojekt braucht.

Darüber hinaus zeichnet sich das Handeln eines Facilitators durch weitere Faktoren aus:

  • Er (oder sie) unterstützt eine Gruppe dabei, auch Emotionen – und hier insbesondere Ängste gegenüber der bestehenden Veränderung zuzulassen.
  • Er unterstützt die Beteiligten darin, dass sie Zugang zu ihrer Intuition finden und die daraus resultierenden Ideen mit in den Prozess einfließen lassen.
  • Er macht vorhandene Konflikte sichtbar und fördert deren Bearbeitung, um die Gruppe vom entweder-oder-zum sowohl-als-auch-Denken bringen.
  • Er hält auch mal unklare Schwebezustände aus, unterstützt die Beteiligten darin, in unterschiedlichen Optionen und Möglichkeiten zu denken, und er fördert ein Erfahrungslernen und Experimentieren, in dem Neues mutig ausprobiert und gemeinsam weiterentwickelt werden kann. 

Kurzum: Ein Facilitator muss den Tanz mit dem Unbekannten beherrschen, sich immer wieder auf neue Situationen und Entwicklungen einstellen und gleichzeitig den Prozess so steuern, dass neue umsetzungsfähige Lösungen entstehen.

Change Facilitation als neues Change-Paradigma?

Ob Change Facilitation sich zum neuen Change Paradigma entwickelt, lässt sich vorerst nicht beantworten. Sicher ist aber, dass es das gängige Change Management herausfordert und mindestens ergänzt. Denn angesichts zunehmender Volatilität wird es immer häufiger darum gehen, für Beteiligung auf allen Ebenen zu sorgen und neben den vergangenen Fakten auch auf einer intuitiven Ebene zukünftige Möglichkeiten zu erspüren. Und genau an dieser Stelle setzt Change Facilitation mit einer veränderten Haltung und einem innovativen Handeln an.

Unsere Empfehlung: "Facilitating Change" von der School of Facilitating 

Wenn Sie neugierig geworden sind, empfehlen wir Ihnen das im Beltz-Verlag erschienene Buch "Facilitating Change". Es ist die erste ausführliche Beschreibung zu dem Thema im deutschsprachigen Raum und gibt neben einer ausführlichen allgemeinen Einführung in das Thema auch viele praktische Tipps für den Alltag eines Change Facilitators. Eine Leseprobe davon finden Sie hier.

Weitere Informationen zu unserer Arbeit als Change Facilitator finden Sie hier.

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